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Kondolenz für Danielle Quinodoz

Lieber Jean-Michel, liebe Familie Quinodoz, liebe Freunde der Familie, im Namen des Centre de psychanalyse de Suisse romande CPSR und des Centre de psychanalyse Raymond de Saussure CPRS, möchte ich Ihnen unser tief empfundenes Beileid zum Verlust von Danielle ausdrücken.
In Absprache mit Jean-Michel werde ich hier die reichhaltige Bibliographie von Danielle nicht nachzeichnen. Cairn, Amazon oder andere Webseiten werden es übernehmen diejenigen zu orientieren, die mehr über ihre Bücher und ihre umfangreiche internationale Laufbahn wissen möchten. Dagegen werde ich einige persönliche Erinnerungen an meine Begegnungen mit Danielle schildern, an diese Momente und diese „Worte, die berühren“.
Sie war es, die mich, als ich als Kandidat im CPRS anfangs 1991 landete, in ihrem klinischen Seminar aufnahm. Es ging darum die Analyseindikationen mit Hilfe von Fallvorstellungen schärfer zu fassen. Dies war mein erstes Seminar und ich war ziemlich eingeschüchtert, mich von lauter erfahreneren Kollegen umgeben zu sehen. Sie aber sorgte dafür, dass ich mich wohl fühlte und ich vergesse ihre Liebenswürdigkeit, ihr Wohlwollen, die Worte nicht, die sie mir gegenüber an den Tag legte, mir problemlos das Wort erteilte, mich ermunterte meine Ideen auszudrücken, das Ganze in einem freiheitlichen und kreativen Geist. Das war sehr angenehm und anregend.
Andere Erinnerungen rühren an die von ihr gehaltenen Vorträge. Ich erinnere mich an einen, den sie am Boulevard Georges-Favon, in den ehemaligen Lokalitäten des CPRS gehalten hat, wo sie sich bemühte, uns den Unterschied zwischen Spaltung und Verdrängung aufzuzeigen. Es handelte sich um eine Patientin, die nicht zum ersten Treffen ihrer Analyse gekommen war! Die Beweisführung war erlesen und beispielhaft.
Dann kam das, was ich von Danielle in Bezug auf die Weiblichkeit lernte. Damals war ich sehr damit beschäftigt, die Frauen, die ich in Analyse hatte, gut zu verstehen, denn als Mann hatte ich den Eindruck, dass Teile der Intimität von Mutter und Tochter meinem Verständnis entgingen. Danielles Beiträge waren sehr wichtig. Ihre kleinianischen Perspektiven waren zugänglich und liessen vermuten, was der Weiblichkeit und der Individuation der Tochter im Flechtwerk zwischen Mutter und Tochter hinderlich sein konnte. Die komplexe Theorie der Beziehungen zum Körper dieser zwei Protagonistinnen wurden in der Übertragung-Gegenübertragung der Kur wieder gespielt. Das war einer der Gründe, die mich dazu brachten, sie um eine Supervision zu bitten, die mehrere Jahre dauerte.
Ich hatte nun schon mehr Erfahrung, doch beeindruckte mich von neuem die grosse Freiheit, die Danielle meinen Äusserungen gab. Sie widersprach mir ziemlich wenig, auch wenn sie mir doch hier und dort ihren Standpunkt mitteilte. Manchmal sagte sie gar nichts während einer Supervisionssitzung, die mit einem „Gut“ zu Ende ging. Ich dachte, dies sei optimistisch! Aber, wenn auch dieses Gefühl von Unabhängigkeit zeitweise ein wenig beängstigend war, so verlieh es mir doch einen kreativen Eindruck meiner Assoziationen. Dieser Optimismus war unmerklich ein Initiator, Vertrauensbeweis in meine Arbeit und meine Fähigkeit zu deuten. Denn Danielle glaubte an den Menschen, glaubte an die lebendigen Fähigkeiten ihrer Patienten, ohne jedoch jemals den Schweregrad der Psychopathologie zu negieren. Ich glaube, dass Danielle dem, was ich dachte einen grossen Respekt entgegenbrachte wie auch dem, was wir Kandidaten im Verlauf unserer persönlichen klinischen Tätigkeit mit unseren Patienten dachten. Ich glaube, dass es eine der grossen klinischen Qualitäten von Danielle war, dass sie führte, ohne dass die Theorie, die doch immer gegenwärtig war und wenn nötig in Erinnerung gerufen wurde, zum Hindernis für unsere eigene deutende Originalität wurde.
Dann die Krankheit, die sie mit Mut und Kraft anging. Ihre letztjährige Anwesenheit an den Journées du Centre, dann im September an der Tagung zum letzten Buch von Jean-Michel legen davon Zeugnis ab. Zeugnis nicht nur ihrer Liebe zur Psychoanalyse, sondern auch zu Jean-Michel und zum Paar, das sie mit ihm bildete: Zweifellos: „Die Zwei liebten sich!“ Welch schönes Vorbild!
Ein letztes Wachrufen: ich habe vor kurzem das Val d’Hérens und den erlesenen Charme des „La Sage“ entdeckt. Ja wirklich, „La Sage“, das würde gut zu ihr passen! „La Sage“, ein kleines Dorf auf den Anhöhen von „Les Haudères“, zuhinterst im Tal, leuchtet von friedlicher Echtheit. Nach seiner Eroberung habe ich dort meine Siebensachen deponiert und mich über die Momente gefreut, die ich mit Danielle und Jean-Michel teilen würde. Danielle wird mir fehlen, ihre Fröhlichkeit, ihre Lebensweisheit. Wetten wir, dass die milchigen Gipfel ringsherum, die Wälder der grazilen Lärchen,, die Almhütten von Tsaté mit den zeitlosen Scheunen, die Schlummerlieder des Alphorns, die reichen Weiden voller Wildblumen und seidenweicher Schmetterlinge, das ihre dazu beitragen werden ihr grosszügiges Andenken wieder in Erinnerung zu rufen.
Im Namen von uns allen: „Merci, Danielle!“

Genf, 13. April 2015 Jean-Marc Chauvin, Präsident des CPRS in Genf